Immer mehr Patientinnen erscheinen heute mit KI-generierten Bildern von sich selbst in ästhetischen Kliniken. Statt Fotos von Prominenten bringen sie digital optimierte Versionen ihres eigenen Gesichts oder Körpers mit – mit dem Wunsch, genau so auszusehen.
Dr. Kelly Vasileiadou beobachtet dieses Phänomen seit einigen Monaten zunehmend auch in ihrer Klinik in Zug.
„Diese Bilder sind nicht einfach bearbeitet. Das sind perfekte Versionen, die so nicht existieren. Teilweise müssen wir sagen: Wir behandeln hier Menschen, keine Avatare.“
KI verändert Schönheitsideale
Laut Dr. Kelly bringen mittlerweile bis zu fünf Prozent ihrer Patientinnen KI-generierte Wunschbilder mit in die Beratung – Tendenz steigend.
Das Problem dabei: Viele dieser Bilder haben wenig mit der tatsächlichen Anatomie der Patientinnen zu tun. Besonders häufig betreffen die Anfragen das Gesicht: extrem hoch sitzende Wangenknochen, porenlose Haut, vollkommen symmetrische Lippen oder extrem schmale Nasen, die anatomisch kaum noch funktionieren würden.
Zwischen Realität und digitaler Perfektion
Ein besonders prägendes Beispiel war eine Patientin, die Dr. Kelly ein KI-generiertes Bild ihrer Wunsch-Brust zeigte. Das Bild hatte jedoch nichts mit ihrer eigenen Anatomie zu tun. Ein solches Ergebnis wäre medizinisch nicht realistisch gewesen.
„Wenn dein Ideal ein perfektes – aber nicht reales – KI-Bild ist, wirst du mit deinem echten Spiegelbild nie zufrieden sein.“
Verantwortung statt unrealistischer Versprechen
Dr. Kelly betont, dass seriöse ästhetische Medizin nicht bedeutet, jede Vorstellung umzusetzen. Entscheidend sei vielmehr, ehrlich zu erklären, was medizinisch möglich ist – und wo klare Grenzen liegen.
„Unsere Aufgabe ist nicht, jede Vorstellung umzusetzen, sondern die richtige Grenze zu setzen und Patientinnen ehrlich zu begleiten.“
Die Entwicklung zeigt, wie stark soziale Medien und künstliche Intelligenz moderne Schönheitsideale beeinflussen – und wie wichtig ärztliche Aufklärung heute geworden ist.

















