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Gewählt von Patientinnen, die höchste Ansprüche stellen.
Vertraut von Menschen, die keine Kompromisse eingehen.

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Pfusch bei Schönheitseingriffen – Im Interview mit Schweiz am Wochenende ordnet Dr. Kelly Vasileiadou die Risiken von Auslandseingriffen ein.

Billig operiert, teuer bezahlt

Schweiz am Wochenende – National, Samstag, 24. Januar 2026

 

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Schönheitsoperationen im Ausland boomen. Doch was als günstiges Rundum-Paket angeboten wird, kann aufwendige Folgeoperationen nach sich ziehen. Die Kosten trägt am Ende das Schweizer Gesundheitssystem.
Von Stephanie Schnydrig

Schätzungen zufolge werden in der Schweiz jährlich 100’000 Schönheitskorrekturen durchgeführt. Weltweit ist die Zahl der Schönheitsoperationen seit 2020 um 40% gestiegen. Auf Platz 1 der Schönheitseingriffe steht hierzulande die Glättung der Haut durch Faltenunterspritzung. Bis zu 70% weniger kosten Schönheitsoperationen im Ausland. Die Folgekosten einer missglückten Schönheitsoperation belaufen sich pro hospitalisierte Person auf 10’000 bis 20’000 Franken.

«Wir haben wöchentlich Menschen am Telefon, die verzweifelt sind.»
Kelly Vasileiadou, Fachärztin für Chirurgie

Es war vor gut sechs Jahren, als eine Freundin von Isabelle* in der Türkei eine Bauchdeckenstraffung gebucht hatte. Sie solle doch mitreisen, schlug sie Isabelle vor, und zeigte ihr die Website der dortigen Schönheitsklinik. «Die Klinik wirkte modern», erinnert sich Isabelle, «die Fotos im Netz versprachen Diskretion und Professionalität. Es klang nach einem Urlaub mit schönem Nebeneffekt.»

Ziemlich spontan entschloss sich Isabelle, ihre Freundin zu begleiten – und die Gelegenheit zu nutzen, gleich selbst einen ästhetischen Eingriff vornehmen zu lassen. Ein sogenannter Brazilian Butt Lift sollte es werden: ein Verfahren, bei dem Eigenfett aus anderen Körperregionen abgesaugt und in den Po injiziert wird, um ihn grösser und straffer wirken zu lassen.

Vor der Abreise fragte Isabelle beim Anbieter nach, ob der Eingriff bei ihr überhaupt möglich sei. «Ich bin sehr dünn und war zunächst skeptisch, ob man bei mir genug Fett finden würde», erzählt sie. Sie schickte ein Foto von sich an die Verantwortlichen, worauf umgehend eine Antwort folgte: kein Problem.

Doch vor Ort hiess es, für einen klassischen Brazilian Butt Lift habe sie zu wenig Fett. Der Eingriff sei so nicht machbar. Man präsentierte ihr zwei Alternativen: Po-Implantate oder die Injektion eines Gels, das sich angeblich nach sieben Jahren wieder abbauen sollte. Es handelte sich um einen sogenannten Aquafiller mit dem Namen Los Deline. «Ich war völlig verzweifelt», sagt Isabelle. Bezahlt hatte sie bereits, am nächsten Tag sollte operiert werden, Zeit zum Nachdenken blieb also kaum.

Der Aquafiller erschien ihr als die harmlosere Variante als ein Implantat. Also entschied sie sich dafür, unterschrieb und liess sich am nächsten Tag operieren. «Direkt danach gefiel mir das Resultat sehr.» Was Isabelle damals noch nicht wusste: Bei Los Deline handelt es sich um ein Füllmaterial, das in der Schweiz wie auch in vielen anderen Ländern nicht zugelassen ist oder wegen schwerwiegender Komplikationen sogar ausdrücklich verboten wurde.

Gelbliche Flüssigkeit mit Blut

Ein Jahr später, zurück in der Schweiz, entdeckte Isabelle eine Verhärtung an ihrem Bein. Ein Ultraschall zeigte: Der Aquafiller war verklumpt, durch den Körper gewandert und hatte Entzündungen ausgelöst. Am Universitätsspital Zürich wurde der Befund weiter abgeklärt. Ein MRI zeigte das ganze Ausmass: Das hochentzündliche Material hatte sich zwischen Haut und Muskeln bis in beide Oberschenkel ausgebreitet.

Man legte Isabelle Drainagen. Bei ihr floss daraus täglich fast ein halber Liter gelbliche, mit Blut verschmierte Flüssigkeit. Doch besser wurde es nicht. Zwei Wochen später bekam Isabelle Fieber, ihr wurde übel, die Hüfte schwoll massiv an. Notfallmässig wurde sie erneut operiert, weil sich ein Abszess gebildet hatte.

Was danach folgte, bezeichnet Isabelle als einen medizinischen Albtraum. Etwa alle vier Wochen traten neue Entzündungen auf. Sie erhielt Antibiotika, wurde erneut operiert – insgesamt 14 Mal. Vier Monate konnte sie nicht arbeiten. Erst beim letzten Eingriff fanden die Ärzte die Ursache der immer wiederkehrenden Abszesse: Ein Spitalkeim, resistent gegen mehrere Antibiotika, hatte sich im Gewebe eingenistet. Mit dem passenden Medikament verschwand die Entzündung innert Stunden. Doch der Schaden war längst da. Die Wunde blieb offen, über mehr als zwei Jahre trat immer wieder Material aus.

Kosten von Auslandpfuschs werden höher

Solche Geschichten sind längst keine Einzelfälle mehr. Der Medizintourismus für plastische Operationen floriert. In der Türkei wird heute jede dritte ästhetische Operation an ausländischen Patientinnen und Patienten durchgeführt. Die Branche wirbt mit Komplettpaketen, vermittelt über Agenturen, die Flug, Hotel, Operation und Nachkontrolle in wenige Tage pressen.

Gemäss dem Verband Swiss Plastic Surgery liegen die jährlichen Ausgaben für Schönheitsoperationen in der Schweiz bei mehreren hundert Millionen Franken. Komplikationen, insbesondere nach Eingriffen im Ausland, machten dabei einen wachsenden Anteil der Folgekosten aus.

Kelly Vasileiadou, Fachärztin für Chirurgie, kennt diese Schattenseite der Schönheitschirurgie gut. Sie ist Gründerin einer auf plastische Chirurgie spezialisierten Klinik in Hünenberg See und behandelt regelmässig Patientinnen und Patienten, die nach Eingriffen im Ausland mit Problemen zurückkehren. «Wir haben wöchentlich Menschen am Telefon, die verzweifelt sind», sagt sie. «Sie klagen, dass sie plötzlich allein dastehen: der behandelnde Chirurg weit weg, die vermittelnde Agentur nicht mehr erreichbar.» 

Die Komplikationen seien meist Wundheilungsstörungen, Infektionen, Blutergüsse, Thrombosen oder auffällige Narben. «Medizinisch sind das glücklicherweise oft gut beherrschbare Leiden», sagt Vasileiadou. «Psychisch jedoch machen die Betroffenen enorm viel durch.» 

Vor- und Nachsorge sind kritisch

Internationale Register zeigen, dass bei rund fünf bis zehn Prozent aller Schönheitseingriffe milde Komplikationen auftreten, schwere Ereignisse wie Thrombosen hingegen bei unter einem Prozent. Das Risiko steige, wenn Implantate eingesetzt werden. «Sobald ein Fremdkörper im Spiel ist, haben wir automatisch mehr Probleme.» 

Zudem rät Vasileiadou davon ab, mehrere Körperzonen gleichzeitig zu behandeln, da dies das Risiko von Thrombosen und Elektrolytstörungen erhöhe. Letztere könnten den Kreislauf destabilisieren und eine Hospitalisation notwendig machen. Jede Schönheitsoperation, betont sie, sei ein Eingriff in einen gesunden Körper – risikofrei sei das nie. 

Studien zeigen allerdings, dass Komplikationen nach im Ausland durchgeführten Schönheitsoperationen deutlich häufiger auftreten als nach Eingriffen in der Schweiz. Ein Forschungsteam des Universitätsspitals Zürich fand heraus, dass von 228 Patientinnen und Patienten, die wegen Komplikationen behandelt wurden, 82 Prozent sich im Ausland hatten operieren lassen – vor allem in der Türkei, in Tschechien, Brasilien oder Deutschland. Am häufigsten betroffen waren Patientinnen nach Brustoperationen, gefolgt von Körperformungen wie Fettabsaugungen oder Bauchdeckenstraffungen sowie Gesichtseingriffen. 

Dass bei Auslandoperationen so viel häufiger Komplikationen auftreten, habe jedoch wenig mit der Qualität einzelner Chirurgen zu tun, betonen Fachleute. «Es steht ausser Frage, dass auch im Ausland ausgezeichnete Chirurginnen und Chirurgen tätig sind», hält Swiss Plastic Surgery fest. Auch Vasileiadou sagt, sie kenne viele hervorragende Operateure weltweit. «Der Eingriff selbst kann technisch überall gut gemacht werden.» Oftmals mangle es an sorgfältiger Vorabklärung und verlässlicher Nachsorge. 

In der Schweiz, sagt sie, rechtfertige ein Teil der Kosten genau das: Erreichbarkeit. «Man kann uns immer anrufen – am Wochenende und mitten in der Nacht. Das ist kein Lifestyle-Aufpreis, sondern Teil der Medizin», betont Vasileiadou. 

Zu einer guten Vorbereitung gehöre etwa, abzuklären, welche Medikamente jemand einnehme, ob Begleiterkrankungen bestünden, ob geraucht werde oder Übergewicht vorliege. Diese Informationen liessen sich über Agenturen, kurze Chatverläufe oder Erstgespräche am Vorabend kaum zuverlässig erheben. 

Noch gravierender sei jedoch die fehlende Nachsorge. «Die Operation ist nicht vorbei, wenn die Chirurgin das Messer zur Seite legt.» So wird unter anderem dringend geraten, körperliche Belastung während einer festgelegten Ruhezeit strikt zu vermeiden und Medikamente wie Antibiotika und gegebenenfalls Cortison konsequent einzunehmen. Feste Kontrolltermine sind in der Schweiz zudem Standard. Im Ausland hingegen würden Patientinnen und Patienten selbst nach stundenlangen Operationen oft nach zwei Tagen zurück in den Flieger gesetzt – wobei allein der Rückflug das Thromboserisiko zusätzlich erhöhe, so Vasileiadou.

Die in Bern ansässige Agentur Medicaltravel, die Schönheitsoperationsreisen in die Türkei vermittelt, betont dagegen ihre hohen Ansprüche. Die Beratung beginne bereits in der Schweiz, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Interessierte könnten an Beratungstagen hierzulande persönliche Gespräche mit den Operateuren führen. Die Nachsorge erfolge strukturiert über Foto- und Video-Updates, standardisierte Fragebögen sowie persönliche Nachberatungen. Zudem gebe es klare Vorgaben zur Mindestaufenthaltsdauer nach der Operation. Treten dennoch Probleme auf, koordiniere die Agentur die weitere medizinische Betreuung in der Schweiz.

Schliesslich bezahlt die Schweiz

Verstärkt wird der Sog ins Ausland auch durch soziale Medien. «Influencer lassen sich im Ausland operieren und erzählen ihrer Community, wie grossartig alles war», sagt die Schönheitschirurgin Vasileiadou. Von Komplikationen hörten ihre Followerinnen und Follower kaum je. «Manche sagen mir offen, dass sie darüber nicht sprechen wollen.» Dabei hätten sie enorme Reichweite – und damit Verantwortung.

Swiss Plastic Surgery rät, wer sich trotz allem für eine Schönheitsoperation im Ausland entscheidet, sollte sich vorab mit zentralen Fragen befassen:

Wo finden die Nachkontrollen statt?
Wer ist zuständig, wenn Komplikationen auftreten?
Wer haftet, wenn etwas schiefgeht – und wer bezahlt?

Mit den Themen Bezahlung und Haftung spricht der Verband zwei besonders heikle Punkte an. Zwar übernimmt die Grundversicherung keine Schönheitsoperationen. Sehr wohl jedoch bezahlt sie die Behandlung medizinisch notwendiger Folgen – vom Abszess über Thrombosen bis hin zur Gefahr einer Blutvergiftung oder chronischen Wunden. Medizinisch notwendig können auch ästhetische Rekonstruktionen sein, wenn Betroffene psychisch stark leiden.

Die Verursacher im Ausland kommen dabei meist ungeschoren davon, da der juristische Aufwand für erfolgreiche Haftungsklagen hoch ist und die Erfolgschancen je nach Land gering sind.

Das Inselspital Bern beziffert die Kosten pro hospitalisierte Person mit Komplikationen nach Schönheitsoperationen auf 10’000 bis 20’000 Franken. Wie hoch die Folgekosten für die Krankenkassen insgesamt sind, lässt sich jedoch nicht exakt sagen: Diese werden nicht als «Komplikationen von Schönheitsoperationen» erfasst, sondern beispielsweise als Wundheilungsstörungen oder Infektionen abgerechnet – ohne Hinweis auf ihren eigentlichen Ursprung.

Der grösste Fehler ihres Lebens

Auch Isabelles Behandlungen wurden von der Krankenkasse übernommen, abzüglich Selbstbehalt. «Zusammen mit der Operation in der Türkei hat mich das weit über 10’000 Franken gekostet», sagt die heute Mitte dreissigjährige Frau, die kürzlich zum dritten Mal Mutter geworden ist. Sie sei dankbar, dass Schwangerschaft und Geburt trotz ihres Leidenswegs gut verlaufen sind. Die Folgen ihres Türkei-Abenteuers jedoch werden bleiben: Am linken Bein sind die Nerven dauerhaft geschädigt, gegen zwei Antibiotika ist sie resistent. Isabelle trägt heute Stützstrümpfe und Kompressionshosen. 

«Es war der grösste Fehler meines Lebens», sagt sie. Wenn sie junge Frauen trifft, die über Schönheitsoperationen im Ausland nachdenken, wird sie wütend. «Ich warne alle eindringlich davor. Bezahle lieber etwas mehr, denn es geht um dich und deinen Körper.» Für sie selbst wird es keine Schönheitsoperation mehr geben. Und selbst einen harmlosen Strandurlaub in der Türkei kann sie sich nicht mehr vorstellen. «Wenn ich nur schon das Wort Türkei höre, sehe ich rot.»

Wie KI uns schöner macht

Künstliche Intelligenz verändert unsere Vorstellung von Schönheit. Das zeigt eine aktuelle Studie aus den USA.

Ein Forschungsteam liess den TikTok-Filter «Bold Glamour» über Porträtfotos junger Frauen laufen und analysierte, wie sich deren Aussehen veränderte. Die Ergebnisse zeigen: Die Haut erschien glatter, Falten und Augenringe wurden reduziert, das Gesicht wirkte symmetrischer und jünger – ohne künstlich auszusehen. Bemerkenswert ist dabei, dass der Filter die Gesichter meist nur um wenige Prozent veränderte.

Genau dieser Effekt scheint sich bereits in einer zunehmenden Nachfrage nach minimal-invasiven Behandlungen niederzuschlagen. Viele der durch KI erzeugten Veränderungen lassen sich durch vergleichsweise milde Eingriffe wie Hautglättung, Lippenunterspritzungen oder Augenbrauenlifting nachahmen.

Laut dem Marktforschungsinstitut Data Bridge Market Research dürfte die Schweizer Schönheitsbranche bis 2030 um über elf Prozent wachsen – insbesondere aufgrund der «zunehmenden Nachfrage nach nicht-invasiven und minimal-invasiven Verfahren».

Auch die Zuger Schönheitschirurgin Kelly Vasileiadou bestätigt diesen Trend:
«Früher zeigten Patientinnen Bilder von Schauspielerinnen oder Influencerinnen. Heute bringen sie Selfies mit, die von einem KI-Filter bearbeitet wurden.»

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* Name geändert

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